27.11.20

Von der Wählscheibe bis zum Smartphone

Der Bezirksarbeitskreis Senioren (BAKS) bietet erstmals einen telefonischen Adventskalender an.

Einmal gehört, ließ die Idee „Telefonischer Adventskalender“ Birgit Keyerleber nicht mehr los. Wie könnte man so etwas organisieren? Nun wird dafür moderne IT-Technik eingesetzt – für ein Angebot, das auch mit dem ältesten Wählscheibengerät funktioniert.

„Es war bei einer Online-Fortbildung der LAGES, der Evangelischen Senioren in Württemberg“, erzählt die Diakonin Birgit Keyerleber, Referentin für Seniorenarbeit des Bezirksarbeitskreises Senioren (BAKS) im Evangelischen Kirchenbezirk Bernhausen. Teilnehmer aus vielen verschiedenen Landeskirchen diskutierten auf der Fortbildung, wie sie trotz Corona den Kontakt mit Senioren halten können. Da fiel nur kurz das Stichwort „Telefonischer Adventskalender“, doch das genügte schon.

Birgit Keyerleber wandte sich an den Ökumenischen Medienladen in Stuttgart, erwarb dann einen speziellen Anrufbeantworter. Doch ganz zufrieden war sie damit nicht: Mit dieser Technik kann immer nur ein Anrufer gleichzeitig in der Leitung sein. Sie fragte in Leinfelden ihren Pfarrer, Martin Weinzierl, der sie an seinen IT-Spezialisten weiterleitete. „Kein Problem“, meinte dieser, „da besorgen wir eine Telefonnummer auf einem Server, da können unendlich viele Leute gleichzeitig anrufen.“ Dass das wirklich stimmt, das hat die Diakonin inzwischen ausprobiert: „Wir haben es mit drei Leuten gleichzeitig versucht.“ Da kam jeweils noch der Vorabtext, der bis zum 30. November geschaltet ist, denn das erste Türchen geht erst am 1. Dezember auf.

Ab dann gibt es jeden Tag eine andere Geschichte, ein Gedicht, ein Rezept oder ein Musikstück, im Durchschnitt drei bis sechs Minuten lang. Dafür ist Birgit Keyerleber mit iPad und gutem Mikrofon durch den Kirchenbezirk Bernhausen und durch Stuttgart-Möhringen gezogen und hat die Aufnahmen auf die Speicherkarte gebracht. Gesprochen haben lauter Haupt- und Ehrenamtliche aus der Seniorenarbeit.

„Sie sind mal nachdenklich, mal heiter, mal besinnlich“, sagt Birgit Keyerleber zu den Beiträgen, es gibt auch mal schwäbischen Dialekt. „Ein einziger Tag fehlt noch, alles andere ist komplett“, sagte sie wenige Tage vor dem Start. Die Orgelmusik hat Leonhard Völlm an der neuen Orgel in Stuttgart-Möhringen eingespielt. Pfarrerin Andrea Aippersbach, ebenfalls aus Möhringen, hat sogar einen Kurzgottesdienst aufgenommen, er wird am 24. Dezember zu hören sein.

„Mir liegen die Hochbetagten am Herzen“, sagt Birgit Keyerleber. „Bei der Generation 60plus haben fast alle ein Smartphone und sind im Netz aktiv, bei den etwas Älteren ist das teilweise so, aber viele Hochbetagte sagen sich, das tue ich mir nicht mehr an.“ Das Angebot ist eine ganz normale Festnetznummer. „Früher hätte man gesagt, das ist zum Ortstarif.“

Für die Technik brauchte es aber ein wenig mehr Geld, also fragte die Diakonin Richard Genth, den BAKS-Vorsitzenden. Er war sofort begeistert dabei: „Wir konnten in diesem Jahr wegen Corona keine Veranstaltungen anbieten. Also geben wir das eingeplante Geld gerne dafür aus.“

„Ich bin gespannt, wie viele Leute anrufen, aus dem Kirchenbezirk oder auch von ganz woanders“, sagt Birgit Keyerleber. Und sie denkt schon weiter: „Vielleicht machen wir das 2021 wieder, dann womöglich länger, denn auch nach Weihnachten sind viele Menschen einsam.“

Der „Telefonische Adventskalender“ hat die Nummer 0711/96 88 15 74.