15.01.20

Die ersten Tage waren schon gut

In der Bernhäuser Jakobuskirche wurde Dekan Gunther Seibold in sein neues Amt eingeführt.

Von seinem Empfang am neuen Wirkungsort war Gunther Seibold, neuer Dekan des Evangelischen Kirchenbezirks Bernhausen, sehr angetan. Wenn alle Neuzugezogenen so begrüßt würden wie ein neuer Dekan, meinte er, dann sehe es gut aus für die Kirche.

 

Ein neuer Dekan, sagte Prälatin Gabriele Arnold bei der Investiturfeier in der Bernhäuser Jakobuskirche, sei ein Gottesgeschenk: Gott schenke der Gemeinde Hirten. „Es soll kein Geschenk sein, das man in die Ecke stellt und verstauben lässt.“ Bei Seibold gebe es einiges auszupacken, er bringe viel Berufserfahrung, einen wachen Verstand und große Freundlichkeit mit und sei ein guter Zuhörer. Er komme in einen Kirchenbezirk, der gut aufgestellt sei: „Sie müssen das Rad nicht neu erfinden.“ Nein, die Kirche könne nicht zahlenmäßig gegen den Trend wachsen, was sie vor einigen Jahren einmal vergeblich wollte, aber sie könne im Glauben und in der Liebe wachsen.

Was er wo alles gelernt hat, das erklärte Seibold der Gemeinde in seiner Vorstellung: In Grunbach im Remstal habe er gelernt, an Jesus zu glauben, in der Diakonie in Stetten eine fröhliche Unbekümmertheit. Das Architekturstudium in Stuttgart habe ihn gelehrt, über christliche Kreise hinaus zu bestehen. Seit dem Theologiestudium in Tübingen wisse er, dass alle Fragen an Gott erlaubt und hilfreich sind. Im Treffpunkt Senior in Stuttgart habe er gemeinwesenorientierte Arbeit geübt, in Hemmingen im „ganz normalen“ Pfarramt gewirkt, in Neuffen Verantwortung über die Gemeinde hinaus übernommen. Nur bei einem sei er mit dem Lernen noch fertig: Seine Frau Gerlinde lerne er noch immer mehr kennen und lieben.

Zu jeder evangelischen Investitur gehören Worte von Zeugen, die den „Neuen“ gut kennen. Albert Bollinger aus Neuffen beschrieb Seibold als „immer zuverlässig, ideenreich und unheimlich fleißig“. Er bedauert den Weggang: „Wir werden euch sehr vermissen.“

Nur wenige Buchstaben der Inschrift an der Kanzel der Jakobuskirche genügten Seibold, diese Inschrift zu erkennen, es ist sein Konfirmationsspruch: „Selig, die Gottes Wort hören und bewahren.“ In seiner Antrittspredigt über das „Aufsehen auf  Jesus“ erzählte er, warum er die Kreuzesdarstellung in der Neuffener Martinskirche so mochte: Von der Ferne wirke es, als hänge dort ein toter Mann. „Wenn sie hingehen und hinaufschauen, empfinden die meisten Menschen es aber so, dass Jesus sie anschaut. Oft steckt in Kreuzesdarstellungen eine Botschaft.“

Kaum selbst in sein Amt eingeführt, durfte Dekan Seibold seine erste eigene Amtseinführung vornehmen. Sie galt der neuen Dekanatssekretärin Elke Auch. „Wir sind die, die sich gegenseitig Geschäft geben“, sagte er. Bisher war Auch Kirchenpflegerin in Sielmingen. „Sie hat genau dem gewünschten Profil entsprochen“, sagte Seibold, „die ersten Tage waren schon gut.“

Christoph Killgus, gewählter Vorsitzender der Bezirkssynode, überreichte dem neuen Dekan beim Stehempfang einen Umschlag mit Grundkapital und Zweckbindung: Er solle dreimal mit seiner Frau essen gehen, und zwar je einmal in den Distrikten Leinfelden-Echterdingen, Ostfildern mit Neuhausen und Filderstadt. Dazu kam eine Zusatzregel: „Bernhausen zählt nicht, denn hier wohnen Sie ja schließlich.“ Die katholische Gemeindereferentin Susanne Walter hatte Brot und Wein mitgebracht, die rund 20 Pfarrkollegen aus dem Kirchenbezirk je eine Dose Sauerkraut und dazu ein wenig Leberwurst und Saure Kutteln. Von der Kirchengemeinde Bernhausen gab es für die Familie Gutscheine für die Wilhelma – gültig bis Anfang 2023, so dass auch bei einem sehr beschäftigten Dekan ganz gewiss Zeit zum Einlösen bleibt.