09.12.20

„Das ist es, ich will Pfarrerin werden“

Im Evangelischen Kirchenbezirk Bernhausen ist bis Februar 2023 ein neues Vikarsteam im Einsatz.

Ist dies das christliche Kreuz in der Mitte, oder das Corona-Abstandskreuz, oder beides? – im Uhrzeigersinn, bei 12 Uhr beginnend, Lena Warren, Leinfelden, Deborah Drensek, Bernhausen, Joachim Fritz, Dürrmenz, Elise Eckardt, Bonlanden und Jonathan Steinestel, Kemnat

„Alle Wege führen nach Rom“, sagt ein altes Sprichwort zum römischen Straßennetz. Und viele Wege führen zur Theologie. Dies zeigt ein Gespräch mit dem neuen fünfköpfigen Vikarsteam im Evangelischen Kirchenbezirk Bernhausen.

Seit Oktober sind sie auf den Fildern, bis Februar 2023 werden sie bleiben: Deborah Drensek in Bernhausen, Elise Eckardt in Bonlanden, Jonathan Steinestel in Kemnat und Lena Warren in Leinfelden. Hinzu kommt Joachim Fritz aus Dürrmenz bei Mühlacker. Weil es in seiner Nähe kein Vikarsteam auf gleichem Ausbildungsstand gibt und so ein Team extrem wichtig ist, kam er von außerhalb dazu.

Was er nach dem Abitur machen sollte, war Joachim Fritz nicht ganz klar gewesen, mehrere Leute rieten ihm zum Theologiestudium. Er begann mit den alten Sprachen, kam 2013 nach Neuendettelsau. „Ich war sofort drin, die Begeisterung kam schnell. Ich bin optimistisch reingegangen und wurde positiv überrascht.“

Dass Apologetik, also die durchdachte Rechtfertigung des christlichen Glaubens, zu den Lieblingsfächern von Elise Eckardt gehört, hat mit ihrer eigenen Lebensgeschichte zu tun. Sie wuchs in einem nur noch wenig kirchlich geprägten Ort bei Erfurt auf: „Ich wurde schon früh dazu herausgefordert, meinen Glauben zu erklären.“ Sie wollte mehr wissen, Gott näher kennenlernen. „Ich ging mit Neugier und Vorfreude ins Studium“, sagt sie. Nach der Entscheidung habe sie „einen ganz tiefen Frieden“ verspürt. „Kirche ist nicht das Gebäude, sondern die weltweite Gemeinschaft der Christen“, sagt sie, hat diese Gemeinschaft während des Studiums in Greifswald, Halle, Leipzig, Princeton, Vancouver und zuletzt Tübingen erlebt.

Auch Deborah Drensek hat sieben Jahre in Ostdeutschland gelebt, in Zinnowitz auf der Insel Usedom. „Ich wurde super kirchlich sozialisiert“, sagt sie. „Ich war in der Jugendarbeit, wurde selber Mitarbeiterin, das volle Programm.“ Mit ihren Eltern kam sie zurück nach Schwaben, nach Vaihingen/Enz, wechselte wegen des theologisch-musikalischen Profils aufs Evangelische Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim. Die Gemeindediakonin wollte sie fürs Diakonat und der Pfarrer für den Pfarrdienst gewinnen. „Ich dachte, so ein Quatsch, was die da reden.“ Nach einem Infotag im Herbst 2011 in Tübingen dachte sie plötzlich ganz anders: „Das ist es, ich will Pfarrerin werden.“ Während ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) im Rettungsdienst lockte auch die Medizin. „Aber ich blieb bei der Theologie.“ Das Studium führte sie nach Tübingen, Heidelberg und Wien.

Bei ihm sei das Studium zugleich ein „trotzdem“ und ein „deswegen“, sagt Jonathan Steinestel, der einer Pfarrersfamilie entstammt. Theologie war lange keine Option für ihn, doch das blieb nicht so. „Ins Studium haben mich die großen Fragen getrieben.“ Während seines FSJ-Einsatzes in Indonesien, in einer interreligiösen Umgebung, dachte er intensiv nach: „Was will ich mit meinem Leben machen? Ich muss die Frage nach Gott klären.“ Er wollte Denken und Glauben zusammenbringen, erwartete die Antworten auf die großen Fragen nicht von Psychologie oder Medizin. Sein Theologiestudium empfand er dann als großes Privileg. „Schritt für Schritt ging die Tür in Richtung Vikariat für mich auf.“

Lena Warren erlebte in Wanderup bei Flensburg eine christlich geprägte Erziehung, mit einem Diakon als Vater. „Das werde ich niemals“, dachte sie vom Pfarrerberuf, denn sie hatte Angst vor einer Beerdigung. In ihrer FSJ-Zeit verstarb ein früherer Klassenkamerad, das wurde für sie zum Schlüsselerlebnis: „Ich habe erfahren, dass eine Beerdigung nicht nur traurig und schrecklich sein muss, sie kann etwas Tröstliches haben.“ Zu predigen, in die Schule zu gehen, mit jungen Menschen zu arbeiten, das konnte sie sich alles immer besser vorstellen. „Beim Studium in Tübingen und Glasgow habe ich gemerkt, wie ich mich auf die Praxis freue.“ Den Prüfstand des Studiums hat ihr persönlicher Glaube sehr gut durchlaufen: „Er ist eher doller geworden als weniger.“