08.09.20

Hebräisch, Hegel, Hölderlin

Das Evangelische Bildungswerk im Landkreis Esslingen stellt sein Halbjahresprogramm vor.

Einige der Angebote im Heft mit 100 Seiten stehen noch unter Corona-Vorbehalt, doch das neue Halbjahresprogramm des Evangelischen Bildungswerks im Landkreis Esslingen ist wieder sehr aktuell und vielseitig geworden. Die Veranstaltungen sind im ganzen Landkreis und online zu nutzen.

Wer bewegt die Kirche? Der Heilige Geist, mag der Theologe antworten, die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold gibt noch eine weitere Antwort: Frauen! Darüber spricht sie am 14. Oktober in Frickenhausen. Wenn die Frauen das mit der Kirche übernehmen, können die Männer ja solange klettern gehen, am 26. September mit dem Bildungswerk im Kletterwald Plochingen. Ab 6. Oktober treffen sich Männer jeden Dienstagmorgen ab 7.30 Uhr zu „Bizeps und Bibel“, thematisch geht es diesmal um „Friedrich Hölderlin und die Bibel“. Wer will, kann an jedem Morgen gleich vor Ort bleiben und sich danach mit Dr. Werner Grimm in der hebräischen Lektüre des Alten Testaments üben. Beide Angebote sind nun im Nürtinger Martin-Luther-Hof zuhause.

Eine örtliche Neuerung gibt es auch bei der jährlichen Begegnungstagung „Kirche und Gewerkschaft“: Sie kann nicht nur am 6. und 7. November in Mühlhausen im Täle besucht werden, es gibt erstmals auch eine Online-Zuschaltung. Diesmal geht es mit der Frage „Gewinn ohne Gewissen?“ um globale Produktion, Lieferketten und lokalen Einkauf. Ausschließlich online per Zoom bietet das Bildungswerk am 5. Oktober ein Seminar zu Dietrich Bonhoeffer an: Wie hat er schwierige Entscheidungen getroffen, verantwortlich vor Gott und dem Nächsten? Was lässt sich daraus für die Coronakrise lernen?

Besonders groß ist das Angebot in Nürtingen, am Reformationstag (31. Oktober) spricht dort Professor Dr. Wilfried Härle zur Frage „Schämen wir uns des Evangeliums?“. Ein zweites Mal um Hölderlin geht es am 21. Oktober, wenn Dr. Wolfgang Schöllkopf in der Buchhandlung im Roten Haus Wilhelm Waiblinger vorstellt, den ersten Biographen Hölderlins. Am selben Ort, schon am 24. September, erinnert Professor Dr. Sebastian Ostritsch an den schwäbischen Weltphilosophen Hegel. Er wurde zwar nicht wie Hölderlin in Nürtingen geboren, sondern in Stuttgart, aber ebenfalls vor 250 Jahren, und einen Friedrich hat er ebenfalls als Vornamen, neben dem Georg und Wilhelm. Die siebenteilige Nachmittagsakademie in Nürtingen-Roßdorf beginnt am 14. September, bis März 2021 geht es unter anderem um das Versteck im Dachstuhl des Unternehmers Rudi Schlattners, um die Amish-People und um Margarete Schneider, die Frau des Predigers von Buchenwald.

Nach einer anderen Sicherheitspolitik, statt weiter zunehmender Militarisierung, hat eine Arbeitsgruppe der Evangelischen Landeskirche in Baden gesucht. Darüber informiert der Friedensbeauftrage dieser Kirche am 12. Oktober in Kirchheim unter Teck. Ebenfalls nach Kirchheim kommen am 9. November Professor Dr. Jörg Thierfelder und Dr. h.c. Eberhard Röhm, die Autoren des siebenbändigen Standardwerks „Juden-Christen-Deutsche“. Sie stellen ihr neuestes Buch mit 180 Biographien von Theologen jüdischer Herkunft vor. Am 25. November gibt es in Kirchheim ein Mitsingkonzert mit dem Komponisten und Flötisten Helge Burggrabe, bei „Hagios“ sind keine musikalischen Vorkenntnisse zwingend.

Die Esslinger Reihe „Klartext im Blarer“ wird am 24. September mit dem Berliner Historiker Dr. Manfred Gailus fortgesetzt. Er setzt sich mit dem Tübinger Theologen Gerhard Kittel auseinander: Zuerst ein Kollaborateur mit den Nazis, stellte sich Kittel im Rückblick als christlicher Widerstandskämpfer dar. Bleiben wir in Esslingen: Am 13. Oktober stellt Professor Andreas Knie im Kulturzentrum Dieselstraße ein Verkehrskonzept der Zukunft vor. Am 17. November folgt am selben Ort ein Abend mit dem Thema „Gemeinwohl ist politisch“. Dirk Friedrichs, Vorstand bei Attac, berichtet aus über fünf Jahren Auseinandersetzungen um die Gemeinnützigkeit des Vereins. Eine solche Aberkennung droht auch anderen „unbequemen“ Akteuren der Zivilgesellschaft. Einen Tag später spricht Tom Ferraz Nagl im Esslinger VHS-Haus über die „Ungerechtigkeit in deiner Hand“ und die sozialen, ökologischen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Auswirkungen des Smartphone-Booms.

Gibt es auch etwas außerhalb der großen Städte? Natürlich, so kommt Jobst Kraus vom Umweltverband BUND  am 10. Oktober nach Ostfildern-Ruit. „So wie es war, sollte es nicht wieder werden“, sagt er zur Coronakrise und spricht über erhoffte Lerneffekte. Etwa sechs bis acht Kilometer weit rund um Hochdorf wird am 27. September gewandert. Es ist eine Friedenswanderung, die mit einem Gottesdienst in der Evangelischen Martinskirche endet.

Das neue Programm gibt es beim Evangelischen Bildungswerk (Tel. 07022/90 57 60), bei den Pfarrämtern und immer aktuell unter www.ebiwes.de.

Kontakt: Markus Geiger, Evang. Bildungswerk, Fon 07022/905760; bildungswerk.esdontospamme@gowaway.web.de