25.01.17

Die Ausstellungsreihe „Die Reformation auf den Fildern“ hat begonnen

Die Besucher der Vernissage waren im Vorteil: Sie konnten die gesamte Ausstellung zur Reformation auf den Fildern auf einmal sehen, die Bernhäuser Petruskirche war zum großen Ausstellungsraum geworden. Allen anderen werden die Schautafeln bis zum Sommer nach und nach in 16 Kirchen präsentiert.

Die Vernissage in Bernhausen eröffnete die bezirksweite Ausstellung.

Die Infos sind ansprechend aufbereitet und erzählen viel Interessantes aus der Geschichte der Fildern.

Von links Dekan Rainer Kiess, Stadtarchivar Jochen Bender (Ostfildern), Stadtarchivar Dr. Bernd Klagholz (Leinfelden-Echterdingen), Stadtarchivar Dr. Nikolaus Back (Filderstadt), Kreisarchivar Manfred Waßner, Ruth Alber (Grafik).

Christoph Traub, Bürgermeister von Filderstadt, war sich sicher: Als schlimmste „Fake-News“ hätte Martin Luther im 16. Jahrhundert den Ablasshandel empfunden. Zwar habe Luther nie auf den Fildern gelebt, aber er habe trotzdem dort gewirkt. Er habe teils um jedes Wort gerungen, er wollte, dass die Menschen sich selbst ein Bild machen können, indem sie lesen. So kam mit der Reformation der Schulbau in Gang. Das älteste Schulhaus im Kirchenbezirk steht in Bernhausen, stammt von 1537 und war fast vier Jahrhunderte lang Schule. „Es geht darum, Worte wieder auf die Goldwaage zu legen“, sagte Traub, „und manchem unrichtigen Wort zu widersprechen.“

Damit jedes Wort auf Ausstellungstafeln stimmt, gewann der Kirchenbezirk die Stadtarchivare Dr. Nikolaus Back aus Filderstadt, Dr. Bernd Klagholz aus Leinfelden-Echterdingen, Jochen Bender aus Ostfildern und Kreisarchivar Manfred Waßner als Autoren, ebenso Dr. Annette Köger, Leiterin des Deutschen Spielkartenmuseums.

Der neidvolle Blick gehe nach Esslingen, sagte Back, dort würden Originalbriefe von Luther und Melanchthon aufbewahrt. Aber auch die Suche auf dem Dorf sei nicht hoffnungslos. Die Reformation schlug sich dort in der Gestalt der Kirchen nieder. Weil nun das Wort wichtig war, nicht mehr die Heiligenbilder, rückte die Kanzel teils an die Querwand der Kirche. Der Bildersturm in Württemberg im Jahr 1540 hätte aus Luthers Sicht nicht sein müssen, sagte Back: „Luther hätte durchaus mit Bildern leben können.“ Doch der Reformator Ambrosius Blarer orientierte sich mehr am schweizerischen Reformator Huldrych Zwingli. „Die Plattenhardter haben ihren Heiligen eingemauert, er wurde erst wieder 1964 bei einer Renovierung entdeckt.“ Auch Details verraten viel, so zeigt das herzogliche Wappen an der Decke der Sielminger Martinskirche das fragwürdig enge Verhältnis von Kirche und Staat. Eng blieb auch der Bezug von Kirche und Bildung: „Der Pfarrer war meist der einzige Studierte am Ort und Vorgesetzter des Lehrers“, sagte Back.

"Was in Wittenberg angezettelt wurde, hat die Welt verändert“, sagte Dekan Rainer Kiess. „Nicht die lähmende Angst vor Gott, sondern die kräftige Freiheit in Christus hat im persönlichen Leben, in Kirche Kultur und Gesellschaft enorme Veränderungen geschaffen.“ Beim gemeinsamen Weg mit den Archivaren habe sich gezeigt: „Jede Gemeinde hat mehr zu bieten, als man ihr auf den ersten Blick ansieht, Wir haben keine Fehlanzeigen zu vermelden.“

Gewiss keine Fehlanzeige für Ruth Alber war der Auftrag zur grafischen Gestaltung der mehr als 30 Schautafeln. Ihre Arbeitsstunden hat sie nicht gezählt: „Mir wurde freie Hand gelassen, es sollte richtig gut werden.“

* Seit 22. Januar sind bis zum Sommer in der Jakobuskirche Bernhausen die Schautafeln zu „Reformation und Schule“ zu sehen, ab 5. Februar folgt in der Friedenskirche in Oberaichen „Das Bild in der Reformation“, am 5. März in der Antholianuskirche in Plattenhardt das Thema Heiligenverehrung. Die weiteren Orte sind unter www.reformation-auf-den-fildern.de verzeichnet.

Peter Dietrich, Wernau