24.07.17

Pfarrer Ulrich Enderle wird Jugendpfarrer in Esslingen

Fünf Jahre lang war Ulrich Enderle als Pfarrer in der Parksiedlung. Ende August wechselt er als Jugendpfarrer nach Esslingen. Wie will man ihn in nur einem Wort beschreiben? Als „verschmitzt“, schlug Oberbürgermeister Christof Bolay beim Abschied vor.

Nach fünf Jahren in Ostfildern kehrt Pfarrer Ulrich Enderle nach Esslingen zurück.

Die Pfarrkollegin Sarah Reyer fasste ebenfalls prägnant zusammen: „Ich hätte mir keinen besseren Kollegen vorstellen können. Das war für meinen Berufsstart genau der richtige Mann an der Seite. Dank für das unkomplizierte Miteinander, für die Arbeit auf Augenhöhe und das gemeinsame Lachen.“

Enderle suchte für seinen Abschied nach dem passenden Satzzeichen und wählte den Doppelpunkt. „Er markiert einen Abschnitt und zeigt, jetzt kommt etwas Neues.“ In der Kirche brauche es Vorbilder, aber eine zu starke Fixierung auf sie sei eine Gefahr. Gott sei es, der das Gedeihen gebe. „Mit einem Pfarrer kommt und geht nicht die Kirche Jesu Christi.“

Nach einem Doppelpunkt komme ein Leerzeichen: „Da kommt einfach mal nichts.“ Es brauche, bis eine Stelle neu besetzt sei. Leerzeichen würden Platz machen für Menschen, die sich rufen lassen, in der Gemeinde mitzuwirken. „Ich habe solche Menschen hier erlebt.“ Vor dem Doppelpunkt sei allerdings kein Leerzeichen, vor dem Abschied verdichte sich alles. Über die Hauptamtlichen in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde ergieße sich gerade kübelweise neue Arbeit. Mit seinem Weggang, sagte Enderle, ende nicht die Innovationskraft der Gemeinde. Diese erstaune ihn sogar, wie der Weg auf die Evangelische Kirchengemeinde Nellingen zu.

OB Bolay dankte dem „verlässlichen, humorvollen Gesprächspartner“ Enderle „für die Initiativen, die sie in den gesellschaftlich wichtigen Diskussionen ergriffen haben“. Er wünschte ihm, „dass Sie bei Ihrem neuen Job wenigstens einmal eine halbe Stunde ihre Entscheidung bedauern“. Für den Freundeskreis Asyl dankte Getrud Binder dem scheidenden Pfarrer. Als in der Blumenhalle in einer kalten Nacht mehr als hundert Geflüchtete ankamen, sei er mit seiner Frau vor Ort gewesen, zupackend und ermutigend. Auch auf der Kanzel habe er klare Kante gegen Ausgrenzung und für die Nächstenliebe gezeigt.

Vier hauptamtliche Damen vom Pfarrbüro bis zur Mesnerin sagten, mit Enderle habe es keinen Arbeitstag ohne ein herzliches Lachen gegeben, er habe manchmal verrückte Ideen gehabt und für die Gourmetküche in der Mittagspause gesorgt. Als Läufer habe er zehn Kilometer weit seine Schäfchen umrundet und dabei Briefe ausgetragen. Bei der Pilates-Gruppe habe er als einziger Mann alle Übungen mitgemacht. Er sei sich nicht zu schade für die verstopfte Toilette gewesen und habe sie mit der Rohrbombe wieder frei bekommen. Auch bei Problemen mit Kaffeemaschine und Computer wusste er Abhilfe.

Enderle habe, lobten drei der Kirchengemeinderäte, Altbewährtes auf neue Wege gebracht. Er habe andere Menschen dazu bewegt, sich zu trauen, Verantwortung zu übernehmen. Dass Enderle einen guten Draht zu Jugendlichen hat, kam beim Abschied mehrfach zur Sprache.

Als Hobbykoch hat er das Männerkochteam gegründet und zu Höchstleistungen angespornt. Er hinterlässt der Gemeinde auch einen Konvektomaten.

An seiner neuen Stelle trifft er seine Nellinger Kollegin Cornelia Krause wieder. Sie wurde am selben Tag ebenfalls nach Esslingen verabschiedet, zur Stadtkirchengemeinde. Fremd ist Esslingen für Enderle nicht: Bis 2012 war er ein gutes Jahrzehnt lang Pfarrer in St. Bernhardt-Wäldenbronn.

Peter Dietrich, Wernau