14.11.17

Mit Tablet und Gesangbuch

Die Herbstsynode des Evangelischen Kirchenbezirks Bernhausen hat getagt.

mit Tablet, Akten und Gesangbuch

Im Herbst geht es in den Kirchenparlamenten traditionell um die Finanzen fürs kommende Jahr. In der Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Bernhausen war aber noch Platz für ein paar andere Themen.


Bei den Prädikanten gibt es Nachwuchs. Mit Simone Hertle, Michael Gromer und Joachim Henrichsmeyer wurden drei neue Laienprediger für sechs Jahre offiziell beauftragt. Damit gibt es im Kirchenbezirk Bernhausen neun solche Männer und sechs Frauen, die Gottesdienste leiten. Weil der benachbarte Kirchenbezirk Degerloch bei weitem nicht so gut ausgestattet ist, hilft Bernhausen auch bei den Nachbarn aus. „Das Prädikantenamt ist das schönste Ehrenamt, das die Kirche zu verleihen hat“, ist die Bilanz von Joachim Henrichsmeyer nach bisher 22 Gottesdiensten.


Eine Bilanz zog auch Dekan Rainer Kiess, sie bezog sich auf das Reformationsjubiläum. Noch nie sei es so ökumenisch begangen worden, die Kirchen hätten sich aufeinander zubewegt. Es sei gut, auch mal Formate jenseits von „Vortrag mit anschließender Diskussion“ anzubieten, es dürfe auch mal ein Theaterstück oder eine Weinprobe sein, das spreche neue Leute an. Es sei gut, auch jenseits der Kindergärten Bezugspunkte zu den Kommunen und zu den Vereinen zu suchen.


Um Nachwuchs ging es auch bei der Diakoniestation auf den Fildern. „Wir suchen dringend helfende Hände“, sagte deren Geschäftsführerin Christine Beilharz. Daher will die Diakoniestation verstärkt selbst ausbilden und hat derzeit sechs Azubis. 2018 will sie in Echterdingen, direkt gegenüber der Verwaltung, eine Tagespflege einrichten. Sei reagiert damit auf viele Nachfragen nach einem solchen Angebot, das bisher fehlt. Das Jahr 2016 schloss die Diakoniestation mit ihren über 200 Angestellten und gut 80 Ehrenamtlichen mit einem Plus ab.


Kein Plus bringt die Zukunft bei den Pfarrstellen. Den konkreten Beschluss, was sich in den Jahren 2019 bis 2024 verändert, wird die Synode im März 2018 treffen. Vorerst ging es um Grundsätze. Wenn reduziert wird, soll es vor allem die bei den Pfarrern unbeliebten 50- und 75-Prozent-Stellen treffen. Als kritische Grenze gilt eine Zahl von 2800 Gemeindemitgliedern pro voller Pfarrstelle. Damit es ausgewogen zugeht, soll es künftig auch Dienstbeauftragungen für Nachbarorte geben. Verliert also A-Dorf eine halbe Pfarrstelle und B-Dorf keine, predigt der oder ein Pfarrer aus B-Dorf künftig auch in A-Dorf. Solche „Aufträge für den Nachbarn“ sind auf den Fildern mehrere angedacht, aber vorerst werden die Stellungnahmen der Gemeinden gesammelt.


Und vorerst sprudeln die Kirchensteuereinnahmen, denn noch sind die Babyboomer nicht in Rente. So erhalten die Kirchengemeinden Sonderzuweisungen, alleine aus dem Strukturfonds im Jahr 2018 zwischen 9000 und 35 000 Euro extra. Gedacht ist dieses Geld zur Entlastung des Pfarrdienstes von Verwaltungsaufgaben. Wodurch, entscheidet jede Kirchengemeinde selbst. Sie könnte unter anderem das Pfarrbüro oder die Kirchenpflege mit mehr Stunden versorgen oder das Geld für eine neue Trägerstruktur für Kindergärten verwenden.


In Ostfildern-Ruit besitzt der Kirchenbezirk ein Wohnhaus. Wie schon 2017, erhält der Haushalt daraus in den kommenden Jahren keine Einnahmen. Sie werden stattdessen komplett für die nötige Generalsanierung des Gebäudes zurückgelegt. Dennoch will der Kirchenbezirk seine Umlage – sie ist mit der Kreisumlage bei den Kommunen zu vergleichen – ab 2020 von 27,41 auf 26 Prozent senken. Damit soll etwas mehr Geld bei den Gemeinden vor Ort bleiben.


Bleiben wird vorerst das bunte Papier mit vielen Zahlen, doch immer mehr Synodale stellen auf elektronische Medien um. Sie saßen im Kirchenparlament vor ihrem kleinen Bildschirm. Gesungen wurde zu Beginn und Ende der vierstündigen Synode aber ganz traditionell, aus dem Gesangbuch.