14.11.16

Herbstsynode 2016: Vom Pfarrplan 2024 zum Pfarrplan 2030

Pfarrer bewerben sich lieber im Großraum Stuttgart als im abgelegenen Blaufelden oder Sulz am Neckar. Damit der absehbare Mangel gerecht verteilt wird, gibt es die kirchliche Personalstrukturplanung. Dekan Rainer Kiess hat sie der Bezirkssynode des evangelischen Kirchenbezirks Bernhausen vorgestellt.

Christoph Killgus, Vorsitzender der Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Bernhausen

Dekan Rainer Kiess vor der Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Bernhausen

Ein Dank für den Einsatz für die Diakonie, Dekan Rainer Kiess (ganz rechts) bedankt sich gerade bei Gerhard Weber (zweiter von rechts), der nach dem Weggang eines Pfarrers für zweieinhalb Jahre kommissarisch den Vorsitz der Diakoniestation Ostfildern übernommen hatte, das bedeutete rund vier Stunden Ehrenamt pro Woche - zum 1.1.2017 schließen sich die Diakoniestation auf den Fildern (Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt) und die Diakoniestation Ostfildern zusammen - des weiteren von links: Marcel Dompert aus Ruit, Annegret Kaiser aus Nellingen und Doris Hoinkis aus Scharnhausen

Mitte der 1990er-Jahre ging es ganz schnell: Aus 120 neuen Pfarrern pro Jahr wurden in nur zwei Jahren nur noch 30. Die württembergische Landeskirche hat aus dieser schmerzvollen Notbremsung gelernt und plant nun sehr langfristig. Das Ziel dabei: Die „Pastorationsdichte“, also die Zahl der Gemeindemitglieder pro Vollzeitpfarrer, soll möglichst konstant bleiben. Das klappt nicht ganz, weil in den 2020er-Jahren starke Pfarrerjahrgänge in den Ruhestand gehen. Doch danach gleicht sich das Verhältnis wieder an. Vor dem Jahr 1999 gab es auf den Fildern noch 28,5 evangelische Pfarrstellen, aktuell sind es 26,5.

Die Mitgliederzahlen sinken in allen Gemeinden – Ausnahme ist die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde mit dem Scharnhauser Park – weiter, die neue Zielvorgabe liegt nun bei 25 Stellen. Die Pfarrer in Kliniken, in der Alten- und Pflegeheimseelsorge und die Vikare sind dabei nicht mitgezählt.

Im Pfarrplan 2024 fallen also 1,5 Pfarrstellen weg, danach steht der Pfarrplan 2030 an. Aber wie kürzen, werden dafür bestehende Vollzeitstellen reduziert? Eben nicht. „Eine 50 Prozent-Pfarrstelle wäre nicht mehr gut wiederbesetzbar“, warnte Kiess. Er will einen anderen Weg gehen und erläuterte dies am Beispiel von Musberg, Oberaichen und Leinfelden-Echterdingen. Diese drei Kirchengemeinden haben zusammen 3,5 Pfarrstellen. „In einer Entfernung von nur wenigen Kilometern befinden sich vier Kirchen, vier Gemeindehäuser und vier Pfarrhäuser.“ Jeder mache Konfirmandenunterricht, Seniorenarbeit, Erwachsenenbildung, Schulgottesdienste und vieles mehr. In einer Verbundkirchengemeinde, so der Vorschlag von Kiess, müsse nicht mehr jeder alles machen, es könnten Schwerpunkte gebildet und für Bewerber attraktive Stellen geschaffen werden. „Wir wollen unsere Gemeinden erhalten und nicht nur eine Kürzungsquote erfüllen.“

Einstimmig setzte das Kirchenparlament einen Pfarrplan-Sonderausschuss ein. Über dessen Vorschläge entscheidet die Synode im Frühjahr 2018. Die Attraktivität der Stellen steht auch im Mittelpunkt des kürzungsfreien Diakonatsplans 2023. Kein Diakon oder Jugendreferent soll seine Schwerpunkte an mehr als zwei Orten haben, möglichst nur an einem einzigen.

Zum 1. Januar 2017 schließen sich die Diakoniestation auf den Fildern, zuständig für Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt, und die Diakoniestation Ostfildern zusammen. Es war der Wunsch beider Partner und der Bezirkssynode, sie hatte die Fusion im April ohne Gegenstimmen beschlossen. Beide Stationen vereinen dann mehr als 200 Angestellte und 130 Helfende. Die kirchliche Tarifstruktur war schon vorher bei beiden Partnern gleich. „Die helfende und heilsame Zuwendung Gottes kann weitergehen“, freute sich Christine Beilharz, die nun als Geschäftsführerin einen der größten ambulanten Dienstleister im Landkreis leitet.

Die Finanzzahlen sehen erfreulich aus, die Zuweisungen an Kirchensteuern steigen um etwa drei Prozent. Dennoch muss sich der Kirchenbezirk mühen, 2017 den Waldheimneubau für rund eine Million Euro zu stemmen. Kirchenbezirksrechner Lothar Stäbler bat jede der 16 Kirchengemeinden, ein Gottesdienstopfer für den Neubau einzuplanen.

In einem anderen Großprojekt steckt zwar weniger Geld, aber viel Vorbereitung: Zum Reformationsjubiläum ist auf den Fildern ab Januar eine Ausstellung zu sehen, zu 16 Themen nacheinander in 16 Kirchen.

Peter Dietrich, Wernau